Solarpanels sind eine der beliebtesten Möglichkeiten, Ihren Camper mit Strom zu versorgen, wenn Sie autark stehen. Aber wie viele Panels brauchen Sie eigentlich? Das hängt von Ihrem Stromverbrauch, Ihrem Reiseziel und der Jahreszeit ab. In diesem Ratgeber helfen wir Ihnen, die richtige Wahl zu treffen.
Wie viel Strom verbrauchen Sie pro Tag?
Der erste Schritt ist die Berechnung Ihres täglichen Stromverbrauchs. Addieren Sie alle Geräte, die Sie nutzen, und schätzen Sie, wie viele Stunden pro Tag sie eingeschaltet sind.
Typischer Verbrauch für einen Camper:
• Kühlschrank: 30-50 Ah/Tag (Kompressor, abhängig von der Außentemperatur)
• LED-Beleuchtung: 2-5 Ah/Tag
• Handy laden: 2-3 Ah/Tag
• Laptop laden: 5-8 Ah/Tag
• Wasserpumpe: 1-2 Ah/Tag
• Dieselheizung: 1-3 Ah/Tag
Ein durchschnittlicher Camper mit Kühlschrank, Beleuchtung und einfacher Elektronik verbraucht etwa 40-70 Ah pro Tag bei einem 12V-System.
Wie viel Ertrag liefern Solarpanels?
Der Ertrag eines Solarpanels hängt von drei Faktoren ab: der Leistung des Panels (in Wp), der Anzahl der Sonnenstunden und der Effizienz Ihres Systems.
Als Faustregel liefert ein 100Wp-Panel im Sommer in Südeuropa etwa 5-6 Volllaststunden, also 500-600 Wh pro Tag (40-50 Ah bei 12V). In Nordeuropa sind es 3-4 Volllaststunden im Sommer und nur 1-2 im Winter.
Berücksichtigen Sie Verluste: Der MPPT-Laderegler verliert 5-10%, und Wärme sowie Kabel weitere 5-10%. Rechnen Sie also mit 70-80% des theoretischen Ertrags.
Fest, flexibel oder tragbar?
Es gibt drei Möglichkeiten, Solarpanels auf Ihrem Camper zu montieren:
Feste Panels (mit Rahmen) sind am beliebtesten. Sie sind günstig, langlebig und einfach auf dem Dach zu montieren. Nachteil: Sie verlieren Dachfläche und sie stehen nicht immer optimal zur Sonne.
Flexible Panels sind leichter und dünner, ideal wenn Gewicht ein Thema ist oder das Dach gewölbt ist. Sie sind teurer und haben eine kürzere Lebensdauer durch höhere Temperaturen (keine Luftzirkulation darunter).
Tragbare Panels stellen Sie neben dem Fahrzeug auf den Boden. Vorteil: Sie können sie zur Sonne ausrichten. Nachteil: Sie müssen sie jedes Mal auf- und abbauen, und sie sind diebstahlgefährdet.
Reihen- oder Parallelschaltung?
Bei mehreren Panels können Sie diese in Reihe oder parallel schalten.
Reihe: Die Spannung addiert sich, der Strom bleibt gleich. Vorteil: Sie können dünnere Kabel verwenden und die Effizienz ist bei teilweiser Bewölkung höher. Nachteil: Wenn ein Panel im Schatten steht, sinkt der Ertrag aller Panels.
Parallel: Der Strom addiert sich, die Spannung bleibt gleich. Vorteil: Schatten auf einem Panel beeinflusst die anderen nicht. Nachteil: Sie brauchen dickere Kabel.
Für die meisten Camper mit 2-4 Panels auf einem 12V-System ist Reihenschaltung die beste Wahl, vorausgesetzt Sie verwenden einen MPPT-Laderegler.
Ertrag nach Jahreszeit und Region
Die Sonnenstunden unterscheiden sich enorm nach Breitengrad und Monat. Dies sind die Spitzensonnenstunden pro Tag, mit denen unser Solarrechner arbeitet, für drei Regionen, in denen Camper viel unterwegs sind:
Norddeutschland, Niederlande (52° N):
• Januar 1,0 · April 4,0 · Juli 5,4 · Oktober 2,0
Mittelfrankreich, Norditalien (45° N):
• Januar 1,8 · April 4,8 · Juli 6,6 · Oktober 2,8
Südspanien, Sizilien (37° N):
• Januar 3,0 · April 5,5 · Juli 7,3 · Oktober 4,0
Was das für 300 Wp Module bedeutet, gerechnet mit 80% Systemwirkungsgrad: in Norddeutschland im Juli rund 1300 Wh pro Tag, im Januar rund 240 Wh. Dieselbe Anlage liefert in Südspanien im Januar immer noch etwa 720 Wh, also das Dreifache.
Der Fehler, den fast alle machen, ist die Auslegung auf den Sommer. Man baut im Frühjahr, testet im Juli und stellt im Oktober fest, dass die Batterie jeden Tag etwas leerer startet. Legen Sie auf die schlechteste Jahreszeit aus, in der Sie tatsächlich unterwegs sind. Fahren Sie nur von Mai bis September nach Frankreich, rechnen Sie mit April. Geht es im Winter nach Skandinavien, reicht Solar allein schlicht nicht.
Warum Sie in der Praxis weniger erreichen als auf dem Papier
Die Leistung auf dem Typenschild (Wp) wird unter Testbedingungen gemessen, die Sie auf einem Wohnmobildach nie erreichen: 1000 W/m² Einstrahlung, senkrechter Einfall und 25 °C Modultemperatur. In der Praxis verlieren Sie an vier Stellen.
Temperatur. Ein Modul auf einem schwarzen Dach erreicht im Sommer leicht 60 bis 70 °C. Oberhalb von 25 °C sinkt die Leistung um etwa ein halbes Prozent pro Grad, an einem heißen Tag geben Sie also schnell 15 bis 20 Prozent ab. Das ist zugleich das Argument dagegen, flexible Module flach aufs Dach zu kleben: ohne Luftstrom darunter wird es noch heißer.
Winkel. Ein flaches Dach trifft die Sonne selten senkrecht. Im Sommer kostet das wenig, im Winter steht die Sonne aber so tief, dass ein flaches Modul einen großen Teil der Einstrahlung verpasst. Deshalb ist der Unterschied zwischen Sommer und Winter auf einem Wohnmobil noch größer als die Tabelle oben vermuten lässt.
Verschattung. Eine Dachluke, eine Antenne oder ein Ast legt nicht nur diesen Fleck still. Bei Reihenschaltung zieht das verschattete Modul den ganzen String nach unten. Planen Sie die Dachbelegung also mit Blick auf die Sonne und halten Sie die Module frei von Hindernissen.
Verluste in der Kette. Laderegler, Kabel und die Batterie, die die Ladung aufnimmt, kosten zusammen weitere 10 bis 20 Prozent. Rechnen Sie deshalb mit 70 bis 80 Prozent des theoretischen Ertrags; davon geht unser Rechner aus.
Was Sie neben den Modulen brauchen
Eine Solaranlage ist mehr als Module auf dem Dach.
Ein Laderegler zwischen Modul und Batterie. MPPT oder PWM, siehe die häufigen Fragen unten. Der Regler muss zu Spannung und Strom Ihrer Anlage passen: bei Reihenschaltung steigt die Spannung schnell, und Sie müssen sie mit der niedrigsten zu erwartenden Temperatur berechnen, denn kalte Module liefern eine höhere Spannung.
Kabel vom Dach zum Regler. Auf dieser Strecke wollen Sie mit Verlusten geizen, weil jedes Prozent hier unmittelbar Ertrag kostet. Halten Sie den Spannungsfall unter 1% und rechnen Sie den Querschnitt mit dem Kabelrechner nach.
Eine Sicherung zwischen Regler und Batterie. Sie schützt das Kabel, nicht das Modul. Bei parallelen Strings gehört zusätzlich eine Sicherung pro String dazu.
Eine wasserdichte Dachdurchführung. Das ist in der Praxis die häufigste Leckagequelle im Selbstausbau. Nehmen Sie eine dafür vorgesehene Kabeldurchführung und dichten Sie sie mit einem für Ihr Dachmaterial geeigneten Dichtstoff ab.
Eine Befestigung, die die Autobahn übersteht. Module nehmen bei 100 km/h erhebliche Kräfte auf. Kleben auf gut vorbereitetem Untergrund funktioniert, sofern Sie die Herstellerangaben befolgen und genug Fläche nutzen.
Mehr Module oder eine größere Batterie?
Wenn die Anlage nicht reicht, stellt sich die Frage, welches der beiden Sie vergrößern sollten. Das hängt davon ab, wo es klemmt.
Geht Ihnen am Ende eines sonnigen Tages regelmäßig der Strom aus, ist die Erzeugung zu klein: mehr Module.
Sammeln Sie an sonnigen Tagen reichlich, stehen aber nach zwei bewölkten Tagen ohne da, ist der Puffer zu klein: eine größere Batterie.
Ist Ihre Batterie an einem sonnigen Tag schon um zwei Uhr nachmittags voll und fehlt Ihnen abends trotzdem Strom, dann werfen Sie Ertrag weg. Auch dann hilft eine größere Batterie mehr als ein zusätzliches Modul, weil Sie die Spitze schlicht nicht auffangen.
Das Energie-Zeitstrahl-Tool zeigt dieses Muster über einen ganzen Tag, sodass Sie nicht raten müssen, welcher der drei Fälle auf Sie zutrifft.
Häufig gestellte Fragen
- Wie viele Solarpanels brauche ich auf meinem Wohnmobil?
- Das hängt von Ihrem Verbrauch und Reiseziel ab. Ein durchschnittlicher Camper mit Kühlschrank und Basiselektronik benötigt 200-400Wp (2-4 Panels à 100Wp). Wenn Sie viel autark in Nordeuropa stehen, planen Sie 400Wp oder mehr ein.
- Reichen Solarpanels aus, um einen Camper mit Strom zu versorgen?
- Im Sommer in Südeuropa oft ja. Im Winter oder bei schlechtem Wetter reichen Solarpanels allein meist nicht aus. Kombinieren Sie sie mit Lichtmaschinenladung (B2B-Lader) und/oder Landstrom für ein zuverlässiges System.
- Brauche ich einen MPPT- oder PWM-Laderegler?
- Ein MPPT-Laderegler ist 20-30% effizienter als ein PWM, besonders bei bewölktem Wetter und höheren Panelspannungen. Für eine Camper-Installation ab 200Wp ist MPPT fast immer die bessere Wahl.
- Wie viel Wp passen auf ein Wohnmobildach?
- Rechnen Sie mit etwa 150 bis 200 Wp pro Quadratmeter nutzbarer Dachfläche. Auf einem mittellangen Fahrzeug wie einem Ducato L2H2 sind realistisch 300 bis 600 Wp unterzubringen, je nachdem wie viel Platz Dachluken, Lüfter und Dachträger belegen. Messen Sie Ihr Dach aus, bevor Sie Module bestellen, und berücksichtigen Sie die Montagerahmen: die brauchen ringsum einige Zentimeter zusätzlich.
- Warum erreiche ich nie die Leistung, die auf dem Modul steht?
- Der Wp-Wert gilt unter Testbedingungen: 1000 W/m² Einstrahlung, senkrechter Einfall und 25 °C Modultemperatur. Auf einem Wohnmobildach treffen selten alle drei gleichzeitig zu. Wärme kostet oberhalb von 25 °C etwa ein halbes Prozent pro Grad, ein flaches Dach trifft die Sonne nicht senkrecht, und Laderegler samt Kabeln kosten weitere 10 bis 20 Prozent. Rechnen Sie deshalb mit 70 bis 80 Prozent der Modulleistung.
- Kann ich Module mit unterschiedlicher Leistung kombinieren?
- Möglichst nicht innerhalb desselben Strings. In Reihe bestimmt das schwächste Modul den Strom des gesamten Strings, parallel bestimmt die niedrigste Spannung das Verhalten. In beiden Fällen verlieren Sie einen Teil der Leistung des stärkeren Moduls. Wollen Sie dennoch mischen, geben Sie ungleichen Modulen einen eigenen String oder notfalls einen eigenen Laderegler.
- Lohnen sich Solarmodule im Winter noch?
- In Nordwesteuropa liefern sie im Dezember und Januar etwa ein Fünftel des Sommerertrags, und der flache Sonnenstand verschlechtert das zusätzlich. Um einen Kühlschrank am Laufen zu halten, reicht das nicht. Nützlich bleiben sie, um Standby-Verbrauch auszugleichen und die Batterie auf Stand zu halten. Für echtes Wintercamping kombinieren Sie Solar mit Ladung während der Fahrt oder mit Landstrom.